Start Chronik des VfR

VfR 1920 Niederwald e.V.

Nach 1918 suchte die Jugend unserer Städte und Gemeinden nach Möglichkeiten der Freizeitbetätigung. So kam auch manchen jungen Menschen der Gedanke, in Niederwald einen Sportverein zu gründen. Der Treffpunkt der Burschen war in der Dorfmitte. Dort wurde auch die Idee geboren, sich in der Gaststätte Ruppert Pitz zu treffen, um diesen Verein aus der Taufe zu heben. In der Gründungsversammlung wurde folgender Name beschlossen:

„Verein für Rasenspiele (VfR) 1920 Niederwald“

Dem jungen Verein traten 36 Mitglieder bei. Die Vereinsfarben wurden mit blau (Trikot) und weiß (Hose) festgelegt. Als Vorsitzenden wählte man Konrad Bornmann. In den ersten Jahren wurden die Spiele wegen Geldknappheit noch in Arbeitsschuhen durchgeführt. Einen festen Sportplatz hatte man zu dieser Zeit noch nicht. Als Spielfeld wurden von Spiel zu Spiel unterschiedliche Wiesen benutzt, auf denen die Tore aufgestellt wurden. Der VfR 1920 Niederwald war Mitglied im Oberhessischen Sportverband, der in Marburg seinen Sitz hatte.

In den 30er Jahren wählte man als Ausweichkleidung schwarz/rot, die dann später zu den Vereinsfarben geworden sind, wie wir Sie heute noch kennen. In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 wurde mit Großseelheim in einer Spielgemeinschaft der Sportbetrieb aufrecht erhalten. Die Wiedergründung des Vereins erfolgte im Jahre 1945 in der Gaststätte Heinrich Nau. Das Spielfeld musste auch in den Nachkriegsjahren immer wieder an einem anderen Ort hergerichtet werden.

1947/48 wurde dann durch die damalige Gemeinde Niederwald der Sportplatz an der Ohm ausgewiesen. Um Rohre für die Dränage des Sportplatzes zu erhalten, musste als Gegenleistung Heu aus der Erle für die Arbeitspferde der Lieferfirma geerntet werden. Hierzu waren fast alle Mitglieder mit Sense, Rechen und Gabel dabei. In Eigenleistung wurde die Dränung auch unter Mithilfe von Nichtmitgliedern durchgeführt. Erst jetzt hatte der Verein seine erste feste Heimat gefunden. Der Spielbetrieb verstärkte sich dadurch und die ersten Erfolge wurden sichtbar.
Nach einigen Jahren B-Klasse stieg man in die A-Klasse auf. Viele Pokalspiele bestritt man erfolgreich mit Turniersiegen.

Dem Verein war in diesen Jahren auch ein Leichtathletikabteilung angeschlossen, die Anfang der 50er Jahre sogar den Kreispokal gewann. Hervorzuheben sind von dieser Zeit die Wettkämpfe gegen den VfL 1860 Marburg, in deren Reihen der damalige deutsche Spitzensportler Kuno Wittkind stand. Die 4 x 100 m Staffel vom VfR 1920 Niederwald wurde seinerzeit nur knapp vom VfL Marburg geschlagen.

1950 fand das erste Sportfest statt. Der Festplatz war auf der vom Vereinsmitglied Becker zur Verfügung gestellten Teichwiese. Das Hauptspiel bestritten die Mannschaften SSV Niederschelden (Verbandsliga Westfalen) und der TSV Ockershausen. Im Rahmenprogramm gab es Schaukämpfe des Box-Clubs Marburg und Kunstradfahren.

1958 stieg der Verein aus der A-Klasse ab, schaffte aber gleich wieder den Aufstieg. Ein großes Jahr für den VfR war 1959. Im Rahmen der damaligen Flurbereinigung wurde die Sportanlage am Viehweg ausgewiesen. Das Spielfeld stellten die Mitglieder und Vereinsanhänger unter Anleitung von Fachleuten, die dem Verein nahe standen, vollständig ein Eigenleistung her. Die Umzäunung und das jetzige alte Sporthaus gingen zu Lasten der Gemeinde.

Die Sportplatzeinweihung wurde dann im Jahre 1960 mit einem großen Fest verbunden, zu dessen Anlass der damals in die Hessenliga aufgestiegene TSV Kirchhain das Hauptspiel gegen den deutschen Amateurmeister 1960 Sportfreunde Siegen mit den Nationalspielern Schäfer und Neusler bestritt. Leider konnte das von beiden Mannschaften hervorragend geführte Spiel nach der Halbzeit wegen eines wolkenbruchartigen Regens nicht mehr fortgesetzt werden. Am folgenden Pfingstmontag bewies der Sportplatz bereits wieder seine Standfestigkeit, so dass an diesem Tage das Fest mit einem großen Pokalturnier mit Beteiligung von 20 Mannschaften durchgeführt werden konnte. Die jungen Mädchen des Dorfes stifteten dem Verein anlässlich des Festes und des damit verbundenen 40-jährigen Jubiläums eine selbst hergestellte Vereinsfahne in den Farben rot/schwarz, die noch heute den Verein bei Feierlichkeiten repräsentiert.

Nach den Jahren in der A-Klasse kam 1965 – 1969 die sportlich beste Zeit. Der Verein spielte zunächst im Spieljahr 1965/66 in einer sogenannten „Überkreislichen A-Klasse“ mit Mannschaften des Kreises Arolsen, Usseln, Wildungen und Mengeringhausen. Von 1966 – 1969 spielte der VfR in der Bezirksliga mit Mannschaften wie Dillenburg, Herborn, Haiger, Sechshelden, Herbornseelbach usw. aus dem Dillkreis. In diese Zeit fiel auch 1967 der bisher größte Erfolg des VfR Niederwald 1920.

Auf neutralem Platz in Wetter gewann die Mannschaft gegen den damals eine Klasse höher spielenden TSV Kirchhain das unvergessliche Pokalendspiel des Kreises Marburg mit 6:0 und war damit erstmals und bisher zum einzigen Mal Kreispokalsieger.

Im darauf folgenden Spiel um die Bezirksmeisterschaft reiste die Mannschaft zusammen mit ihren Fans in zwei Bussen erwartungsvoll nach Sechshelden. Dort musste man sich jedoch nach gutem Spiel mit 0:2 gegen den
SSV Sechshelden geschlagen geben.

In den Jahren 1968/69 wurde die Sportanlage unter dem damaligen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden Heinrich Klingelhöfer durch den Bau des neuen Sporthauses erweitert. Auch bei diesem Bau leisteten die Mitglieder und Anhänger einen großen Arbeitseinsatz. Mit der Errichtung dieses Hauses, insbesondere der neu geschaffenen Duschanlagen, erfüllte sich für die Spieler ein langgehegter Wunsch.

Nach dem Abstieg im Jahre 1969 spielte der VfR 17 Jahre mit unterschiedlichen Erfolgen in der A-Klasse. Als eine der längsten der A-Klasse angehörenden Mannschaften musste dann in 1986 der Gang in die B-Klasse angetreten werden, bevor man 1989 wieder in die A-Klasse aufsteigen konnte.

1990 wurde das 70-jähreige Bestehen gefeiert. Ein bunter Abend wurde durch internationale Künstler gestaltet. Am Festsonntag spielte eine altinternationale Fußballmannschaft mit vielen ehemaligen Nationalspielern wie Gert Müller, Bernd Hölzenbein, Lothar Emmerich und „Ente“ Lippens gegen eine Auswahl älterer Spieler aus unserer Gegend vor ungefähr 1.200 Zuschauern.

Mit dem Erreichen des 6. Tabellenplatzes in der Saison 1990/91 konnte man – durch eine Neueinteilung der Klassen – in die Bezirksliga aufsteigen. Den unglücklichen Abstieg in der ersten Saison hatte die Mannschaft schnell überwunden und kann in der darauffolgenden Saison die Meisterschaft und somit den erneuten Aufstieg in die Bezirksliga feiern.

In der Saison 1992/93 spielte der VfR in der A-Klasse Marburg. Im Jahre 1993 erreichte man den Aufstieg in die Bezirksliga Marburg-Frankenberg, wo man in der Saison 1993/94 den zweiten Tabellenplatz errang.

Durch den Punktegleichstand mit der SG Lahnfels musste in einem Entscheidungsspiel ausgetragen werden, welche Mannschaft in die Bezirksoberliga aufsteigt.
Nach Ablauf der regulären Spielzeit stand es 2:2 unentschieden, so das durch ein Elfmeterschießen über den Aufstieg entschieden wurde. Hier zeigte die SG Lahnfels mehr Nervenstärke.

In der nächsten Spielzeit wurde der VfR Vizemeister und konnte somit direkt in die Bezirksoberliga aufsteigen. Die Hinrunde verlief für den VfR alles andere als positiv, hatte er doch lediglich drei Punkte zu verbuchen. In der Rückrunde avancierte der VfR Niederwald 1920 e.V. zur drittbesten Mannschaft und erreichte ein Entscheidungsspiel um den Relegationsplatz gegen die Fußballfreunde aus Rossdorf. Dieses Spiel wurde nach einem spannenden Verlauf mit 3:2 gewonnen. In der dann folgenden Relegation wurde dann leider zu Hause gegen Roßbachtal 1:6 und in Michelbach 4:0 verloren.

Im Jahre 1995 wurde das 75-jährige Jubiläum des VfR gebührend gefeiert.

Die Spielzeit 1996/97 in der Bezirksliga Marburg-Frankenberg endete für den VfR mit dem 16. Tabellenplatz von 19 Mannschaften, so dass man die Klasse verlassen und fort an in der A-Klasse spielen musste.

Die Folgesaison wurde mit dem kompletten Kader der Bezirksliga bestritten, trotzdem kam der VfR nicht über einen Platz im Tabellenmittelfeld hinaus. Als Folge daraus verließen 7 Stammspieler die Mannschaft, so dass die folgende Saison für den VfR mit dem Abstieg aus der A-Klasse mit 11 Punkten auf dem letzten Platz endete.

Die Saison in der B-Klasse zur Jahrhundertwende 1999/2000 konnte den Abwärtstrend nicht stoppen, der VfR stieg gar in die neu gegründete C-Klasse ab. Im Jahr 2000 konnte der VfR Niederwald 1920 e.V. auf eine wechselhafte, mittlerweile 80-jährige Geschichte zurückblicken. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde eine Sportwoche organisiert.

Hier wurde der erfreulichen Entwicklung des Frauenfußball in den letzten Jahren in Deutschland Rechnung getragen und am Samstag ein Damenspiel zwischen dem FSV Reddehausen und dem TSV Steinbach organisiert. Anschließend wurde das Endspiel der Sportwoche zwischen dem SV Großseelheim und dem SV Kirchhain bestritten, das die Kirchhainer am Ende mit 3:1 für sich entschieden.

Die beiden folgenden Spielzeiten kam der VfR nicht über die C-Klasse hinaus. Im Gegenteil: Der Verein war froh, dass man überhaupt zwei Mannschaften stellen konnte. Dies war nur möglich, da von außerhalb Spieler geholt worden sind.

Erst in der Saison 2002/2003 konnte sich der VfR sportlich wieder nach oben arbeiten und den Aufstieg in die B-Klasse mit einem 6:0 gegen Wehrda feiern. Mit ehrgeizigen Spielern wurde in der B-Klasse Marburg daraufhin die Runde mit einem 4. Tabellenplatz beendet, der zum Relegationsspiel um den Aufstieg berechtigte.

Der Gegner in diesen wichtigen Spielen war die SG Lahnfels, mit denen der VfR wegen des verpassten Aufstiegs in der Saison 1993/94 noch eine Rechnung offen hatte. Von zwei umkämpften Spielen konnte der VfR beide gewinnen und so wieder in die A-Klasse aufsteigen.

In der Spielzeit 2004/2005 tat sich die Mannschaft des VfR schwer, die Klasse zu halten. Die Mannschaft schaffte es mit einer beeindruckenden Energieleistung in den letzten Spielen, sich noch einen Relegationsplatz zu ergattern, der zu zwei Entscheidungsspielen gegen den Tabellendritten der B-Klasse berechtigt. Wiederum in zwei hart umkämpften Spielen konnte die Mannschaft Ihren Platz in der A- Klasse verteidigen.

In der nächsten Spielzeit konnte der VfR durch erhebliche Personalabgänge und leider fehlende Ersatzspieler von gleicher Güte die A- Klasse nicht mehr halten und musste somit als Tabellenletzter den Weg in die B-Klasse nehmen. Trotz des negativen Saisonverlaufs war die Stimmung innerhalb der Mannschaft sehr gut und kameradschaftlich.
Hervorzuheben ist auch die jederzeit betriebene Jugendarbeit des VfR Niederwald 1920 e.V. Dieser Arbeit, die vor allem den Jugendlichen zugute kommen soll, hat der Verein auch zu verdanken, dass der Seniorenbereich immer mit Nachwuchsspielern sinnvoll ergänzter werden kann, so dass der VfR immer in der Lage und auch noch heute ist, fast ausschließlich mit eigenen aus dem Verein oder Ort stammenden Spielern auszukommen. Seit einigen Jahren bildet der VfR zusammen mit den Nachbarvereinen SV Großseelheim und Kleinseelheim eine erfolgreiche Jugendspielgemeinschaft (JSG). Zur Zeit nehmen 6 Jugendmannschaften der JSG Großseelheim, Kleinseelheim und Niederwald am Spielbetrieb teil. Neben der Jugendarbeit unterhält der VfR auch eine Altherrenabteilung, die vor allem in den Sommermonaten einen regen Spielbetrieb betreibt. Dem VfR angeschlossen ist zu dem die im Jahre 1981 gegründete Damengymnastikgruppe.